Die österreichische Medienlandschaft mit Florian Klenk
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Rafik Schamis Roman „Eine Hand voller Sterne“ aus den späten 80er-Jahren erzählt aus der Perspektive eines Ich-Erzählers, dessen genaue Identität bis zum Schluss verschleiert bleibt, über das Leben im syrischen Damaskus. Dem umtriebigen Wunsch, kritischer Journalist zu werden, folgend, stößt das junge Ich an die Grenzen eines autoritär regierten Staates: Um seinen oppositionellen Gedanken unzensiert Raum zu geben, führt das Ich Tagebuch. Mit seinen Freunden, unter ihnen auch der Journalist Habib, versteckt es regierungskritische Botschaften in Socken, die sie unter der Bevölkerung verteilen, bis Habib selbst am eigenen Körper die repressive Macht des politischen Gewaltsystems Syriens zu spürten bekommt. Allen Gefahren und Konsequenzen zum Trotz werden die Freunde nicht müde, sich gegen das Regime zu stellen und für demokratische Werte zu kämpfen. Informationen kritisch zu rezipieren, sich anschließend eine Meinung zu bilden, und diese ohne die Befürchtung, verfolgt, eingesperrt oder umgebracht zu werden, nach außen zu vertreten, bildeten als leitende Maxime die Grundlage für das Projekt Die österreichische Medienlandschaft im Rahmen des Deutschunterrichts der 3B.
Nachdem sich die Schüler:innen genauer mit Österreichs Tageszeitungen beschäftigt und selbst eigene Zeitungsberichte verfasst hatten, lasen sie Rafik Schamis stark autobiographisch geprägten Roman. In ausgiebigen Diskussionen versuchten sie zum einen, Parallelen zwischen Schamis Leben und dessen literarisch raffiniertem Text herauszuarbeiten, und beschäftigten sich zum anderen auch mit der gesellschaftspolitischen Situation Syriens.
Nach den Herbstferien fuhr die Klasse in Begleitung ihres Klassenvorstands Johannes Pusch, BEd und ihres Deutschlehrers Florian Palatin, BEd ins ORF-Zentrum. Dort nahmen die Schüler:innen an dem Workshop Kids News teil, der ihnen nicht nur die Unterschiede zwischen Fake News und seriös aufbereiteten Inhalten aufzeigte, sondern sie auch einlud, ihre Kopfarbeit in konkrete Handarbeit übergehen zu lassen: In Gruppen konnten die Schüler:innen selbst kürzere Radio- bzw. Fernsehbeiträge oder Inhalte für die ORF-Social-Media-Plattformen gestalten, die allesamt thematisch frei gewählt werden durften.
Der Besuch des bekannten Journalisten und „Falter“-Chefredakteurs Florian Klenk Anfang November bildete den Höhepunkt des Projekts: Herr Klenk gab nicht nur Einblicke in die journalistischen Arbeitsschritte, die es braucht, bis eine Geschichte in der Zeitung erscheint, er erklärte auch, warum der kritische, seriöse, investigative Journalismus, der „Wachhundjournalismus“, dem „Schoßhundjournalismus“ zu bevorzugen ist, hob die Bedeutung der Pressefreit hervor und wies zugleich auf die Problematik der Zensur hin. Die Klasse hatte auch die Möglichkeit, vorab erarbeitete Fragen an Florian Klenk zu richten – von seinem persönlichen Werdegang ausgehend, über markante (politische) Interviews bis hin zur politischen Auslegung des Eurovision Song Contest deckten die Fragestellungen das Interessensfeld der Schüler:innen ab.
„Das Wort ist die Pflicht eines jeden Menschen. Überlasse es nicht der Regierung!“ (S. 161) fordert Schamis Romanfigur Habib das junge Ich auf, sich gegen das politische Establishment Syriens zu stellen – in Zeiten, in denen mit dem zunehmenden Erfolg rechtsextremer Parteien in Deutschland, Österreich oder Italien auch die Gefahr der freien, unzensierten medialen Berichterstattung auf dem Spiel steht, erscheinen Habis Worte als demokratischer Wertekompass, dessen Richtungsweisung niemals aus den Augen verloren gehen darf!
Florian Palatin, BEd