Fit for life Expedition Peilstein 1c
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„Hallo! Mein Name ist Stein. Peil Stein. Ich bin etwas verwirrt! Heute Morgen bin ich hier an diesem seltsamen Ort aufgewacht. Meine Füße sind in so einem Holzsockel eingebettet und festgeklebt, am ganzen Körper habe ich so eigenartige, gelbe Flecken und 24 so kleine Menschen, ich glaube, die nennt man „Kinder“, starren mich mit großen Augen an und behaupten, ich wäre jetzt ihre „Trophäe“, ihr „Peilstein“ …
Aber von Anfang an: ich verbrachte fast mein ganzes Leben - immerhin schon einige Millionen Jahre - im Kreise meiner Familie, als ich mich vor fünfunddreißig Jahren entschloss, mich auf eigene Füße zu stellen, mich loslöste, einige Meter hinunterstürzte und dort, am Fuße meiner Familienfelswand, liegen blieb. Bis gestern. Plötzlich stürzte so ein „Menschenkind“ auf mich zu, ich sah noch diese kleinen Hände auf mich zukommen, dann war es finster!
Und aufgewacht bin ich gerade eben in dieser Höhle, ich glaube die Menschen nennen es „Klasse“. Die Menschenkinder haben mir erklärt, dass sie mich mitgenommen haben, dass die gelben Flecken Gold wären und dass ich jetzt ihr „Peilstein in Gold“ bin! Sie behaupten, sie hätten mich „verdient“, da sie bei ihrer „Expedition am Peilstein“ durch ihre gute Klassengemeinschaft ausreichend Punkte gesammelt hätten!
Diese Information muss ich erstmal verdauen! Ich unternehme einen kleinen Spaziergang in diesem Höhlensystem, ich glaube, die Menschen nennen es „Schule“, und schon in der Nachbarhöhle mache ich eine überraschende Entdeckung! Ich traue meinen Augen nicht! Da steht doch in voller Größe mein Cousin zweiten Grades! Er war vor einer Woche plötzlich verschwunden und jetzt steht er in dieser Höhle der 1b herum und strahlt mit der Sonne um die Wette! Die Wiedersehensfreude ist groß, und nachdem wir uns beide wieder beruhigt haben, erzählt mir mein Cousin (zweiten Grades), warum wir hier in Stockerau sind und dieses „Upgrade“ mit Gold erhalten haben: diese Menschenkinder unternehmen nämlich am Beginn des Schuljahres einen zweitägigen Erlebniswandertag in unsere Heimat, der Region rund um den Peilstein, und machen da einige „verrückte Sachen“!
So ziehen sie sich unter anderem an einem Seil hängend über einen Fluss, nur um anschließend über eine danebenstehende Brücke wieder zurückzugehen. Da verstehe einmal einer die Menschen!!! Anschließend wandern sie stundenlang durch ein schönes Tal, obwohl auf der daneben liegenden Straße ein Bus fährt! Auf Karten müssen sie zeigen, wo sie sind, dabei ist ihnen ihr Standort ohnedies bekannt. Und am Fuße unserer Tante, der Arnsteinnadel, hängen sie sich an ein Seil und lassen sich 30 Meter hinab, nur um anschließend erst wieder heraufzukommen! Wie gesagt, man muss nicht alles verstehen, was Menschen so machen.
Dabei zeigen sie aber leider überhaupt kein Mitgefühl. Denn am Fuße unserer Tante hat Wasser über Millionen von Jahren einen Großteil unserer Sippe einfach aufgelöst! An dieser Stelle klafft jetzt eine riesengroße Wunde, die Menschen nennen sie „Arnesteinhöhle“ (nein, keine „Klasse“, eine richtige Höhle!), und was machen die Menschen?! Sie steigen dort neugierig hinein und „erforschen“ und „erkunden“ sie. Dabei ist das so ein tieftrauriges Kapitel in unserer Familiengeschichte …
Wenn sie genug in unserer Vergangenheit „herumgestochert“ haben, wandern sie weiter hinauf zum Peilsteinhaus, stopfen sich ihr Bäuche mit Spagetti voll, entzünden ein Feuer und erzählen sich reimende Geschichten, bevor sie sich erschöpft in ihre Schlafhöhlen zurückziehen. Am nächsten Tag gehen und fahren sie wieder dorthin, wo sie hergekommen sind! Warum sind sie nicht gleich dortgeblieben?! Aber wie gesagt, darüber nachzudenken bereitet einem nur Kopfschmerzen, auch wenn dieser, wie in meinem Fall, aus Kalk ist …
Etwas Erfreuliches noch am Schluss:Iich habe gehört, dass man nach 2 Jahren in der Klassenhöhle hinunter in das Tiefgeschoß dieses Höhlensystems kommt und in einen Glaskasten gestellt wird, wo die goldenen Peilsteine der vorangegangenen Jahre schon warten und sich auf diese Familienzusammenführung freuen …“
P. Stein
(Ghostwriter: Mag. Rüdiger Verwanger)