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FotoLeise plätschernd und gurgelnd bahnt sich das glasklare Wasser der Schwechat - der Schwerkraft folgend - seinen Weg durch eine der schönsten Gegenden Niederösterreichs. Wer genau hinsieht kann durch die die wildromantische Landschaft des Helenantals widerspiegelnde Wasseroberfläche einen Flusskrebs seinen Tagesgeschäften nachgehend erkennen. Ufernahe macht ein Feuersalamander, die Feuchtigkeit der leichten Niederschläge der vergangenen Nacht nutzend, sich auf den Weg längst überfällige Nachbarschaftsbesuche abzuarbeiten. Ein zierliches Eichhörnchen quert das sich der Schwechat entlang schlängelnde „Wegerl durchs Helenental“, im Maul eine Nuss - bei weitem größer als das eigene Köpfchen - überlegend, ob die bereits vergrabenen Vorräte es über einen strengen Winter bringen werden und zugleich aus den Erfahrungen der vergangenen kalten Jahreszeiten wissend, dass es ohnedies die Hälfte der versteckten Energiespender nicht wieder finden wird …

Plötzlich hält unser fleißiges, aber vergessliches Eichhörnchen, inne: aus weiter Ferne hört es schnell lauter werdende, nicht in diese friedliche Landschaft passende Geräusche. Würde man es nicht besser wissen, könnte man glauben, dass die legendäre IX. Legion der Römer sich auf ihren Weg nach Schottland verlaufen hätte. Aber spätestens, wenn ein Wanderschuh die vor Schreck fallen gelassene Nuss unseres „Oachkatzerls“ beim Draufsteigen in den weichen Boden drückt, würde auch ein historisch nicht so bewanderter Beobachter dieser Szenerie erkennen, dass das Schuhwerk nicht der standartmäßigen Ausstattung eines Römers entspricht, sondern den Fuß eines Kindes ziert, das aber nicht weniger unerschrocken und fest entschlossen ein klares Ziel vor Augen hat: gemeinsam mit seinen KlassenkollegInnen am Ende des Tages den Peilstein zu erreichen. Denn, wie jedes Jahr um diese Zeit, sind die SchülerInnen der Fit for life Klassen unterwegs, um sich ihren „Peilstein in Gold“ zu verdienen …

Für die SchülerInnen der 1a begann das Abenteuer schon am Mittwoch, den 22. September. Nach den sehr anstrengenden, aber durch gestellte Aufgaben recht abwechslungsreichen 17 Kilometer Fußmarsch durch oben beschriebenes Flusstal der Schwechat, erreichten sie erst bei schon weit fortgeschrittener Dämmerung das Peilsteinhaus. Unsere späte Ankunft war dem großen Zeitaufwand beim Abseilen geschuldet. Nachdem diesmal fast alle SchülerInnen sich die gut 30 Meter hohe Felswand bei der Arnsteinruine abseilen ließen, kamen wir die letzten Meter in die bereits einbrechende Dunkelheit. Erneut einsetzender Regen verhinderte das Entfachen eines Lagerfeuers.

Der folgende, traumhafte Spätsommertag ließ die paar Regenschauer des vergangenen Tages rasch vergessen. Bei der Cholerakappelle trafen die SchülerInnen der 1a bei ihrem Rückweg auf die Kinder der 1c, die zunächst noch die Flussüberquerung über die Schwechat durchführten, um anschließend ihren Fußmarsch Richtung Peilstein fortzusetzen. Für die 1a endete die „Expedition Peilstein“ mit der Flussüberquerung. Nach einer kurzen Bilanz und dem Zusammenzählen der gesammelten Punkte, wo sich zeigte, dass sich der „Peilstein in Gold“ ausging, traten die Kinder ihre Heimreise nach Stockerau an.

Indessen hatten die SchülerInnen der 1c bereits einen beträchtlichen Teil ihrer Wegstrecke hinter sich gebracht, ebenso schon einige Aufgaben erfüllt: Zielwerfen, Orientieren und Kartenlesen, Entfernungen- und Höhenschätzungen. Auf dem finalen und anstrengendsten Teil des Weges, die mehr als 400 Höhenmeter hinauf auf den Peilstein, bekommen die Kinder die Aufgabe gestellt, Reime rund um diesen zweitägigen Erlebniswandertag zu verfassen. Die Ergebnisse werden am Abend beim Lagerfeuer präsentiert und bekommen im Falle einer „hohen literarischen Wertigkeit“ natürlich auch Punkte.

Nachdem vor dem Einsetzen der Dunkelheit noch etwas Zeit über war, konnten bei idealen Bedingungen bereits am ersten Tag einige SchülerInnen das Abseilen ausprobieren. Im Nachhinein zeigte sich, dass dies eine sehr gute Entscheidung war. Denn am folgenden Tag machte starker bis stürmischer Wind dieses Vorhaben noch schwieriger. Trotz widriger Umstände wagten viele Kinder diese Herausforderung und kamen – gut durchlüftet – 30 Meter tiefer bei der großen Arnsteinhöhle an.

Am Abend zuvor wurden wir jedoch mit einem unfassbar schönen Sonnenuntergang belohnt, mit Farben und Eindrücken, die uns in den letzten 17 Jahre „Expedition Peilstein“ nur sehr selten vergönnt waren.

Ein großes Dankeschön geht an die KlassenlehrerInnen der 1a und 1c, die wesentlich zum erfolgreichen Gelingen dieser Erlebniswandertage beigetragen haben: Mag. Caterina Egenhöfer, Mag. Samy Hochstöger, Mag. Sophie Stadler und Mag. Verena Tesak. Sie haben die Kinder rund um die Uhr sehr fürsorglich betreut und auf sie aufgepasst, mit ihnen gefroren und geschwitzt, waren genauso Wind und Wetter ausgesetzt, hatten ebenso am Abend schwere Beine, schmerzende Schultern vom Rucksack und Blasen auf den Füßen …

Abschließend muss noch erwähnt werden, dass natürlich auch die 1c ausreichend Punkte gesammelt hatte und in den nächsten Tagen von ihrer Klassenvorständin den „Peilstein in Gold“ überreicht bekommen wird. So wie in den vorherigen Fit for life – Klassen wird diese Trophäe die folgenden zwei Jahre den Lehrertisch zieren und als Symbol für eine starke Klassengemeinschaft stehen. Außerdem soll der Stein die Kinder an das, zwar anstrengende, aber umso lässigere Abenteuer „Expedition Peilstein“ erinnern …

Mag. Rüdiger Verwanger



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